Veranstaltungsreihe „Digitalisierung und Zukunft der Arbeitswelt“

2. Veranstaltung: Work-Life-Balance 15.02.2019 Frankfurt/Oder

Mit der Frage, ob die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit immer mehr verschwimmt und ob die Digitalisierung diese Tendenz weiter und schneller vorantreibt, eröffnete der Kollege Dr. Mathias Heiden die 2. Veranstaltung in der Reihe „Digitalisierung und Zukunft der Arbeitswelt“ für Betriebsräte aus der Region Ost-Brandenburg.

„Die technologische Entwicklung bringt viele neue Möglichkeiten in unser Privatleben und genauso in die Arbeitswelt. Wir müssen darauf achten, dass wir die Prozesse im Sinne Guter Arbeit gestalten“, so Heiden. „Bisher haben wir die Situation einer doppelten Hierarchisierung von Arbeit und Leben: Männer bringen die meiste Zeit in die Erwerbsarbeit ein, Frauen in die private Arbeit.“ Unter Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist etwas Anderes zu verstehen. Bei der Frage nach Work-Life-Balance ist der Faktor Zeit bestimmend.

IG BCE

15.02.2019 Frankfurt/Oder

Die Reihenfolge, wie wir unsere Zeit verbringen, mit sozialen Kontakten an erster Stelle, dann der Umgang mit Belastungen, Einkommen und Karriere, Kreativität, Technik und Software und schließlich Bildung, zeigt die Bedeutung von Ausgleich und Zeitsouveränität. Wie kann das 8-Stunden-Tag-System Zeitsouveränität überhaupt gewährleisten, wenn wir doch Arbeitsmodelle mit Rufbereitschaft, Wochenend- und Schichtarbeit sowie Arbeit auf Abruf haben? Und diejenigen, die auf internationaler Ebene arbeiten, haben schon jetzt ein anderes Verständnis zum Umgang mit Zeit.

Die Kolleginnen und Kollegen diskutierten über die schon jetzt gelebten flexibel gewordenen Arbeitswelten, über Arbeitszeittreue des Unternehmens und Flexibilisierungspotenziale der Arbeitszeit und der Arbeitsorte. „Bin ich bei so vielen Möglichkeiten wirklich noch eigen­verantwortlich für meine (Arbeits-) Zeit?“ fragte ein Kollege.

Klar ist, dass sich die Arbeitswelt durch die Digitalisierung mit einer immer höheren Geschwindigkeit verändern wird, diese Schnelligkeit erfordert von den Beschäftigten ein wachsendes Maß an Qualifizierung und Bildung, um ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten. „Das heißt doch im Wesentlichen, dass IT-Kompetenzen unbedingt zu fördern sind“, fasste eine Kollegin zusammen. Maßnahmen zum Erhalt der Work-Life-Balance werden im Hinblick auf mobiles Arbeiten und „ständige Erreichbarkeit“ immer wichtiger, um die Beschäftigungs­fähigkeit zu erhalten. Hier sind Arbeitgeber, Politik und Gewerkschaften gleichermaßen gefordert, den Alltag zwischen Arbeit, Familie und Freizeit für alle sinnvoll neu zu gestalten und zu bewerten.

„Da haben wir eine Mammutaufgabe, gerade für uns als Gewerkschaft, wenn wir an die nachfolgende Generation denken, die gar nicht mehr zwischen “Work” und “Life” unterscheidet, weil sie schon jetzt via E-Mail, Smartphones permanent erreichbar ist“, fasste Dieter Keller, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksvorstandes zusammen.

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