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05.11.2018

Von: Axel Stefan Sonntag

Papier-Bundestarifkommission berät Tarifrunde 2019

Strukturwandel im Tarif

Aufbruchsstimmung in der Papier-Bundestarifkommission: Vor Beginn der Verhandlungen im Februar traf sich das 25-köpfige Gremium, um die Erwartungshaltungen auszutauschen. Aber auch, um sich für die anstehenden Gespräche Rüstzeug zu verschaffen, denn immerhin sind zehn Mitglieder neu gewählt. Ein „Generationenumbruch“, nennt es Verhandlungsführer Frieder Weißenborn.

Die Papier-Bundestarifkommission: Vor Beginn der Verhandlungen im Februar traf sich das 25-köpfige Gremium, um die Erwartungshaltungen auszutauschen

Jung und Alt eint allerdings, dass es der Branche an „tariflicher Attraktivität“ fehle, beschreibt es Frank Gottselig, Betriebsratsvorsitzender von Essity in Mannheim. „Erfahrene Facharbeiter suchen sich besser bezahlte Alternativen und viele junge Menschen sind nicht mehr bereit, ihr Freizeitleben der Schichtarbeit unterzuordnen.“ Viele seiner Kollegen stimmten ihm da spontan zu.

Andreas Reeg

„Unsere Anlagen laufen auf Volllast, die Produktion ist zum Teil sogar überbucht“, berichtet Jörg Behrens, Betriebsratsvorsitzender von Steinbeis Papier in Glückstadt.
Und das, obwohl die Branche wirtschaftlich insgesamt gut dasteht. Selbst im Mittelstand: „Unsere Anlagen laufen auf Volllast, die Produktion ist zum Teil sogar überbucht“, berichtet Jörg Behrens, Betriebsratsvorsitzender von Steinbeis Papier in Glückstadt. Mehr noch: „Kunden müssen wochenlang auf ihre Ware warten“, schildert er das Arbeitsvolumen der rund 350 Mitarbeiter, die grafische Papiere herstellen. Dem Familienunternehmen gehe es gut: „Die Arbeitgeber können aufgrund von Werksschließungen und Stilllegungen der vergangenen Jahre jetzt ihre Verkaufspreise nahezu eins zu eins weitergeben. Und das trotz steigender Zellstoffpreise.“

Andreas Reeg

Angereist, um mit den Branchenkollegen seine Erfahrungen aus der jüngsten Chemie-Tarifrunde zu teilen: Ralf Sikorski, Mitglied des geschäftsführenden IG-BCE-Hauptvorstands.
Ein Punkt, den Ralf Sikorski, Mitglied des geschäftsführenden IG-BCE-Hauptvorstands, gerne aufgriff. „Die Rohstoffpreise steigen, weil die Nachfrage größer ist als das Angebot. Warum sollte das auf dem Arbeitsmarkt anders sein, wenn uns die Fachkräfte auf Sicht ausgehen“, fragt er. Sikorski reiste extra dafür an, um mit den Branchenkollegen seine Erfahrungen aus der jüngsten Chemie-Tarifrunde zu teilen. „Ein voller Erfolg in puncto Kommunikation wie auch beim Abschluss selbst“, lautete sein Fazit. „Beim Urlaubsgeld kam die soziale Komponente gut an“, betonte er.

Schon jetzt steht fest: Die Erwartungen an die Arbeitgeber sind hoch. „Die Verhandlungen dürfen sich nicht nur auf Gespräche über Kosten und Strukturwandel reduzieren“, betont Thomas Lampart, Betriebsratsvorsitzender bei Koehler. „Zur Tarifpolitik in unserer Branche gehört, dass wir über neue Ansätze sprechen müssen, wie wir die ausufernde Arbeitsverdichtung reduzieren können.“ Ein Thema, welches ebenso gewerkschaftspolitisch auf die Agenda rückt: „Wenn die Lebensarbeitszeit steigt – und das ist der Fall – dann hält die zunehmende Leistungsverdichtung gesundheitlich keiner durch“, betonte Ralf Sikorski. Sein Ansatz: „Weg von kurzfristigen Budgets und Kennzahlen-getriebener Sicht, hin zu langfristiger qualifizierter Personalplanung.“ Die Unternehmen werden zukünftig nur attraktiv bleiben, wenn sie moderne Arbeitszeitmodelle, die Entlastung durch Zeitsouveränität beinhalten, tariflich ermöglichen.

Andreas Reeg

Fordert eine Zeitenwende im Entgelttarifvertrag: Verhandlungsführer Frider Weißenborn.
Eine solche Zeitenwende fordert Verhandlungsführer Frieder Weißenborn ebenso beim Thema Entgelttarifvertrag. „Im Jahr 2018 arbeiten wir mit Eingruppierungen aus den 60er-Jahren“, kritisiert er. Sein Fazit: „Es ist an der Zeit, dass auch in der nunmehr letzten Branche der IG BCE eine Flurbereinigung stattfindet.“