Tarifrunde Chemie 2019

Roadshow mit Verhandlungsführer Ralf Sikorski

Umgehend nach dem Verhandlungsauftakt für die Tarifrunde Chemie im Tarifbezirk Nordost stellte sich Ralf Sikorski, Tarifvorstand der IG BCE und bundesweiter Verhandlungsführer, Mitte Oktober bei einer Roadshow dem Gespräch mit den Beschäftigten. Im Auditorium der Bayer AG in Berlin erläuterte er vor einem aufmerksamen Publikum die Forderungen der IG BCE und den Stand der Verhandlungen. weiter >

Regina Sablotny

Roadshow Bayer 2019

Ein enorm dickes Brett werde diese Tarifrunde, so Ralf Sikorski. Der Verhandlungsauftakt habe in allen bisherigen Runden eine extreme Blockadehaltung der Arbeitgeber gezeigt. Ralf Sikorski: „Vor lauter Krisengerede entgeht ihnen offenbar, dass unsere Forderung nicht nur Entlastung und Sicherheit für die Beschäftigten bringt, sondern auch die Attraktivität der Chemieindustrie als Arbeitgeber steigert.“

Forderungspaket der IG BCE mit innovativen Instrumenten

Der Verhandlungsführer stellte das Forderungspaket der IG BCE vor, bei dem es neben einer spürbaren Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um innovative neue Instrumente geht. Dazu gehören ein persönliches Zukunftskonto für alle Beschäftigten und Auszubildenden, welches auf Wunsch auch zur zeitlichen Entlastung eingesetzt werden kann, eine Qualifizierungsoffensive zur Begleitung des digitalen Wandels und eine tarifliche Pflegezusatzversicherung.

Fragen der Beschäftigten betrafen unter anderem die geforderte tarifliche Pflegeversicherung und den Wunsch nach mehr zeitlicher Entlastung. Einhelliger Tenor war, dass die Entlastung nicht auf Kosten der Kolleginnen und Kollegen gehen dürfe. Dass viele Unternehmen trotz Fachkräftemangel an den Azubis sparen und die Zahlen herunterfahren, könne bedrohliche Folgen haben. Olaf Christian, Mitarbeiter bei Bayer, berichtete, wie er einst als Ausbilder Jahr für Jahr beobachten konnte, wie die Azubizahlen immer weiter nach unten gingen.

Die Zukunft schreit nach guten Leuten

Mit auf dem Podium saß der Betriebsratsvorsitzende von Bayer in Berlin, Robert Gundlach. Er machte deutlich: „Die Zukunft schreit nach guten Leuten.“ Ralf Sikorski bekannte in der ihm eigenen klaren Sprache: „Ich schlage jedes Mal die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ich höre, dass Unternehmen Azubis nur befristet übernehmen. Warum gebe ich nur einen Jahresvertrag an Leute, die ich drei Jahre lang kenne und weiß, dass ich sie in Zukunft brauche? Warum dieser Eiertanz?“

Dass es auch anders geht, zeigt die Continental AG: Hier hat der Konzernbetriebsrat eine Konzernbetriebsvereinbarung auf den Weg gebracht, die den ausgelernten Azubis eine Übernahme zusichert – am Standort der Ausbildung. Das berichtete Sascha Schreiber, Betriebsratsvorsitzende der ContiTech Industrial Fluid Solutions in Hoppegarten.

Moderiert wurde die Diskussion von Melanie Hackl, Mitarbeiterin der Bayer AG und Mitglied der Tarifkommission Nordost.

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