Regionalforum Mecklenburg-Vorpommern

Energieversorgung nach dem Kohleausstieg

Einmal im Jahr widmet sich das Regionalforum Mecklenburg-Vorpommern mit einem Werkstattgespräch der Energiepolitik. Es ging ans Eingemachte, als Mitte Oktober die Frage im Mittelpunkt stand: „Wie geht es in Deutschland nach dem Kohleausstieg mit der Energieversorgung weiter?“. Das Podium war hochkarätig besetzt, viele Fakten kamen zur Sprache. Ein Bericht von Gewerkschaftssekretär Swen Ohlert. weiter >

Swen Ohlert

RV M-V 2019 Auf dem Podium: Volker Jahn, Betriebsratsvorsitzender der MIBRAG, Ralf Bartels, Energieexperte der IG BCE, Moderator Lutz Pscherer, Christian Pegel, Energieminister in Mecklenburg-Vorpommern, Frank Golletz, Technischer Geschäftsführer von 50 Hertz.

2022 geht das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz, zeitgleich werden die ersten Kohlemeiler abgeschaltet. Deutschland werde zum Strom-Importeur, so lautet ein Szenario von Dr. Frank Golletz, Technischer Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz Transmission. Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, zeigte sich zuversichtlicher. Er setze auf Innovationssprünge bei den Erneuerbaren Energien, so der Minister, der darauf verwies, dass vor 15 Jahren noch vieles undenkbar schien, was heute zum energiewirtschaftlichen Alltag gehört.

Exponentiell steigender Strombedarf nach Kohleausstieg

Einig war sich das Podium in der Sorge darüber, dass alle Berechnungen des künftigen Energiebedarfs nicht den rasant steigenden Strombedarf berücksichtigen, der in der Industrie durch die Umstellung der Systeme benötigt wird. Wenn die fossilen Trägerstoffe wegfallen, wird sich der Strombedarf für die  industrielle Produktion exponentiell erhöhen. Immer wieder fiel das Stichwort „Wasserstoff“ als neuer Trägerstoff für Energie. Hier sollte die Forschung intensiv verstärkt werden – so eine Forderung im Regionalforum.

Ralf Bartels, Experte für Energiepolitik aus der Hauptverwaltung der IG BCE, stellte den sogenannten „Kohlekompromiss“ vor, der einen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 vorsieht. Er betonte, dass die vereinbarte regelmäßige Kontrolle des Ausstiegsprozesses zwingend eingehalten werden müsse und erläuterte die im Kohlekompromiss eingeführte „Wenn-dann-Klausel“. Sie besagt, dass folgende Schritte erst dann umgesetzt werden können, wenn die dafür vereinbarten Bedingungen tatsächlich erreicht sind.

Volker Jahn, Betriebsratsvorsitzender der MIBRAG Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH, machte deutlich, vor welchen Problemen ein Kohleabbau-Unternehmen wie die MIBRAG angesichts des beschlossenen Kohleausstiegs steht. Intensiv werde derzeit an einer Weiterentwicklung des Geschäftsmodells gearbeitet, so Volker Jahn. Er führte allen vor Augen, welche hohe Bedeutung die MIBRAG nicht zuletzt in der Ausbildung für die Region hat.

Swen Ohlert

RV M-V Hochkompetente Gespräche und lebhafte Diskussionen prägten das Werkstattgespräch Energie des Regionalforums Mecklenburg-Vorpommern.

Mecklenburg-Vorpommern ist Energieland

Moderiert wurde die lebhafte Diskussion von Dr. Lutz Pscherer, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von 50 Hertz. Die Themen reichten vom Ausbau der Erneuerbaren Energien über den Gesetzentwurf für eine neue CO2-Abgabe bis zum dringend erforderlichen Bau von Stromtrassen. Laut Frank Golletz, Geschäftsführer von 50 Hertz, stehen im Energieland Mecklenburg-Vorpommern derzeit eine Leistungskapazität an Erneuerbaren Energien von 20 GW – gegenüber 0,5 GW an eigenem Strombedarf zu Spitzenzeiten.

Aus dem Publikum wurde auch das Steinkohlekraftwerk in Rostock angesprochen. Laut Kohlekompromiss dürfte es als eines der letzten Kraftwerke vom Netz gehen. Es liefert aber durch Kraft-Wärme-Kopplung nicht nur Strom, sondern auch einen Teil des Fernwärmebedarfs der Hansestadt Rostock. In weiterer Sicht stellt das Auslaufen des Rostocker Steinkohlekraftwerks ein Problem dar: Ein bedeutender Teil der Überseehafen-Infrastruktur hängt am Kraftwerk.

Termine für die nächsten  Regionalforen in Mecklenburg-Vorpommern:

Samstag, 25. April 2020: Tarifpolitik mit Ralf Sikorski, Tarifvorstand und stellvertretender Vorsitzender der IG BCE

Samstag, 5. September 2020: Frauen – damals, heute und zukünftig

Samstag, 24. Oktober 2020: Werkstattgespräch Energie

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