JAV-WAHLEN

Wir können wirklich was bewegen!

Fürstenwalde │ Carolin Laura Schulze ist Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) am E.DIS-Standort in Fürstenwalde, Vorsitzende der Gesamt-JAV und Mitglied in der Konzern-JAV des E.ON-Mutterkonzerns. Die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation ist seit 2014 dabei. JAV-Arbeit ist einfach toll, sagt Carolin. Warum, das erläutert sie im ausführlichen Interview.

Carolin Laura Schulze

Carolin Laura Schulze

Liebe Carolin, hast Du es schon einmal bereut, dass Du bei der JAV eingestiegen bist?

 

Nein, niemals. Es ist eine tolle Aufgabe, sich für seine Kolleginnen und Kollegen einzusetzen und zu helfen, wenn Probleme da sind. Als ich zum ersten Mal kandidiert habe, wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Alles war neu. Ich war im zweiten Ausbildungsjahr und bin zur JAV gekommen, weil mich die damaligen Mitglieder angesprochen hatten. Ich habe mir erklären lassen, was man als Jugend- und Auszubildendenvertreterin macht und beschlossen, dass ich mir das für mich vorstellen könnte: engagiert sein, sich für Mit-Azubis einsetzen, etwas Gutes erreichen. In meiner ersten Amtszeit habe ich dann ganz viel über Mitbestimmung in einem Unternehmen und über die Abläufe gelernt.

 

Welches sind besondere Erfolge Eurer JAV-Arbeit?

 

Wir haben vor einigen Monaten mit Unterstützung des Betriebsrats mit dem Arbeitgeber eine Vereinbarung zu Mietkostenzuschüssen und Mobilitätspauschalen für die Azubis neu verhandelt. Die bislang geltenden Beträge waren veraltet. Wir haben eine Menge erreicht, zum Beispiel den Mietkostenzuschuss von monatlich 180 Euro auf 300 Euro anheben können. Sowas ist wirklich ein Highlight und auch persönlich eine Erfahrung. Denn man sitzt ja nicht jeden Tag mit der Personalseite zusammen und verhandelt um Geld.

 

Wer hat das Thema auf den Tisch gebracht? Seid Ihr das gewesen?

 

Ja, die Initiative kam von uns. Wir hatten eine Umfrage unter den Azubis gestartet und gefragt, was sie sich wünschen, wo es Verbesserungen geben könnte. Dabei wurde klar, dass der bisherige Mietkostenzuschuss einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Wir haben uns dann mit Betriebsrat und IG BCE in Verbindung gesetzt und ein Konzept entwickelt. Dazu gehörte auch, dass wir uns auf dem Markt die Mietpreise angeschaut haben und mit einer realistischen Vorstellung, was wir für die Azubis erreichen wollen, in die Verhandlungen gegangen sind.

 

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat?

 

Sehr gut. Bei jeder JAV-Sitzung ist jemand vom Betriebsrat dabei.

 

… und mit der Arbeitgeberseite?

Ich muss ehrlich sagen: auch gut. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir ein möglichst offenes Verhältnis wollen, denn es bringt ja niemandem etwas, wenn wir nicht miteinander reden können. Über die Gewerkschaft komme ich oft in Kontakt mit JAVis aus anderen Unternehmen und da höre ich manchmal recht negative Dinge. Das ist bei uns zum Glück nicht so. Die ersten Ansprechpartner auf der Arbeitgeberseite sind für uns als JAV die Ausbilderinnen und Ausbilder. Wenn ein Azubi Probleme hat, dann versuchen wir gemeinsam eine Lösung  zu finden.

 

Wie sieht bei Euch vor Ort die ganz praktische Vertretung der Interessen Eurer Azubis aus?

 

Wir haben immer ein offenes Ohr für unsere Azubis. Als JAV konnten wir auch schon eine Arbeitsplatzbegehung in den einzelnen Abteilungen durchführen. Wir wollten uns selbst einen Eindruck verschaffen, wie es bei den Azubis vor Ort aussieht. Wir waren dann wirklich im ganzen Haus unterwegs, haben mit allen Abteilungen gesprochen, Erfahrungen und Wünsche ausgetauscht. Das hat sich gelohnt. Wir konnten vieles positiv gestalten.

Habt Ihr als JAV freie Hand bei Eurer Arbeit?

 

Ja, bisher haben wir seitens des Betriebsrats immer Unterstützung bekommen. In den Abteilungen passiert es manchmal, dass ein Azubi, der Mitglied in der JAV ist, viel erklären muss, wenn er zu Sitzungen und anderen JAV-Terminen gehen will. Nicht alle Kolleginnen und Kollegen wissen Bescheid, welches die Aufgaben und Rechte in der JAV-Tätigkeit sind. Unser Unternehmen veranstaltet regelmäßig Ausbildertagungen für die Azubi-Betreuerinnen und -Betreuer aus den einzelnen Abteilungen. Wir sind immerhin knapp 230 Auszubildende an allen Standorten. Diese Plattform der Ausbildertagungen konnten wir nutzen, um über unsere JAV-Arbeit zu berichten und zu erklären, warum es so wichtig ist, dieses Amt auszuüben. Das kam sehr gut an!

 

Du bist auch Mitglied in der Konzern-JAV, also auf Ebene des Mutterkonzerns E.ON. Wie wichtig ist der Austausch dort?

 

Die Bedeutung ist groß, auch wenn wir bei der E.DIS in einem anderen Tarifgebiet sind und deshalb manches anders umgesetzt wird als im E.ON-Konzern. Der Erfahrungsaustausch und die Inspirationen haben aber unabhängig davon ein ganz großes Gewicht.

 

Du kandidierst für eine dritte Amtszeit. Welche Pläne haben Du und Dein Gremium für die kommenden zwei Jahre?

 

Ich bin ja selbst kein Azubi mehr, möchte aber meine Erfahrungen, die ich in den letzten vier Jahren gesammelt habe, weitergeben. Das hat mir damals selbst auch sehr geholfen. Ich möchte unser Gremium bestmöglich für die Zukunft aufstellen.

 

Ab Anfang Oktober bis Ende November finden in den Betrieben die JAV-Wahlen statt. Was ist dafür wichtig?

 

Allen Azubis möchte ich sagen: Geht wählen! Setzt Euch ein. Wir können wirklich was bewegen. Wenn Ihr selbst bei der JAV-Arbeit mitmachen wollt, dann kann ich Euch nur bestärken: Es ist ein gutes Gefühl, Dinge positiv zu verändern.

 

Carolin Laura Schulze arbeitet als Sachbearbeiterin im Netz am E.DIS-Standort in Fürstenwalde. Seit dem Ende ihrer Ausbildung 2016 studiert sie zudem berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre (BWL).

 

Das Interview führte Susanne Schneider-Kettelför.

Mehr Infos zur JAV: http://www.jav-portal.de

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