Regionalforum Mecklenburg-Vorpommern

Werkstattgespräch Energie „Wie sieht die Zukunft der Energiewirtschaft in MV aus?“

Die Kolleginnen und Kollegen vom IG BCE-Regionalforum Mecklenburg-Vorpommern hatten am 17. Oktober 2015 zum Werkstattgespräch Energie ins Mercure Hotel in Greifswald geladen. Mit den Worten „das Werkstattgespräch hat sich als Marke im Norden bewährt. Bereits zum 14. Mal können wir mehr als 50 Gäste mit einem prominent besetzten Podium zusammenbringen“, begrüßte Lutz Brommecker die Runde. Den weiteren Verlauf moderierte Dr. Lutz Pscherer von der 50 Hertz AG.

Rolf Erler

Cornelia Meissner (WEMAG), Christian Pegel (Energieminister MV), Dr. Lutz Pscherer (50 Hertz), Dr. Ralf Bartel (IG BCE), Dr. Dirk Biermann (50 Hertz)

Der Kollege Pscherer freute sich darauf, die Anwesenden auf die brennendende Frage nach der Zukunft der Energiewirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern einzustimmen. „Energie ist hoch aktuell, werden doch im Land alle fossilen und regenerativen Energieformen genutzt und vor allem regenerative Energien erzeugt“, begann er. Entsprechend war eine der Kernfragen am Samstag die Neuausrichtung der Energiewirtschaft und auch die der Energieversorger, wandeln sich deren Aufgaben doch vom reinen Versorgungsunternehmen hin zum Dienstleister.

Wie unterschiedlich dieser Veränderungsprozess gestaltet werden kann und welche Funktion dabei die Politik ausfüllt, erläuterte Christian Pegel, der Minister für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern in seinem engagierten Referat. „Ich bin mir sicher, dass sich Mecklenburg-Vorpommern vom Nehmerland zum Geberland Energie entwickeln wird. Die Energiewende ist die wirtschaftspolitische Chance“.

Der Landtag wird sich mit dem Gesetzentwurf über die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Gemeinden an Windparks befassen. „Das ist Innovation pur“, so der Minister, „wir betreten absolutes gesetzliches Neuland“. Die Menschen wollen die Energiewende und zu Recht sollen sie davon auch direkt profitieren. Er machte deutlich, dass Energiewende auch immer Forschung und Entwicklung bedeutet und die wissenschaftlichen Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern auf sehr gutem und vor allem kooperativem Weg sind. Die Politik sieht sich hier als Initiator und Förderer.

Dr. Ralf Bartels von der IG BCE der dem Innovationsforum Energiewende e.V. geschäftsführend vorsteht, stimmte dem Minister dahingehend zu, dass es ein Energiemix sein müsse, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, die Energieversorgung aber derzeit noch auf die Nutzung der fossilen Brennstoffe angewiesen ist. Damit beantwortete er auch schon die Frage eines Kollegen der EWN, ob bei den ganzen Umstrukturierungen die Versorgungssicherheit mit Energie gewährleistet bleibt, oder man berechtigterweise bei diesigem Herbstwetter ohne einen einzigen Sonnenstrahl mit einem Black-Out rechnen müsse. Auf eine weitere Nachfrage erläuterte er, wie es zur Strompreisfindung an der Börse kommt und inwieweit die Wetterlage dort eine ganz maßgebliche Rolle spielt.

Er machte deutlich, dass die IG BCE eine wirtschaftlich vernünftige und sozial gerechte Energiewende als einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft gleichsam fordert und unterstützt. Unternehmen und ihre Beschäftigten können die Energiewende mit Innovationen zum Erfolg führen, wenn die Politik dazu förderliche Rahmenbedingungen schafft. „Ich bin davon überzeugt, dass man wirtschaftlichen Erfolg mit Klimazielen verbinden kann“, fügte er hinzu. Wie das gestaltet werden kann, wird auf der Weltklimakonferenz Anfang Dezember in Paris diskutiert werden.

Dr. Dirk Biermann, von der 50Hertz Transmission GmbH zeigte auf, dass die erneuerbaren Energien mittlerweile zum dominanten Faktor im Stromsystem geworden seien. Um die Integration der Erneuerbaren ins Netz möglichst sicher und volkswirtschaftlich effizient zu bewerkstelligen, müssten sowohl in der Systemführung als auch bei der Marktentwicklung neue Produkte und Prozesse vorangetrieben werden. „Gesetzesinitiativen zu den EEG-Ausschreibungen oder zur Digitalisierung der Energiewende und das geplante Strommarktgesetz sind da Entwicklungen in die richtige Richtung“, so der Geschäftsführer Bereich Märkte und Systembetrieb bei 50Hertz.

Abschließend fasste er zusammen, dass Offshore die Erfolgsgeschichte für den Standort Lubmin ist, „in Lubmin kommt der Strom an, von dort wird er verteilt – Lubmin bleibt ein energiepolitisch wichtiger Standort in Mecklenburg-Vorpommern“.

Wie modern die Erzeugung und Verteilung von Energie in Mecklenburg-Vorpommern ist und wie sich die immer mehr entwickelnde Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Institutionen entwickelt, stellte Caroline Meissner von der WEMAG AG in den Mittelpunkt ihres Vortrages – dankenswerterweise war sie kurzfristig für ihren Kollegen Caspar Baumgart, den Kaufmännischen Vorstand der WEMAG AG eingesprungen. „Die WEMAG AG könnte man eigentlich als Vorreiter der erneuerbaren Energien bezeichnen, wir machen das wirtschaftlich und sehr erfolgreich“, eröffnete sie ihren Vortrag und zeigte im Folgenden auf, wie ein Weg für eine versorgungssichere und ökologisch und ökonomisch sinnvolle Energieversorgung aussehen kann – Die WEMAG AG eben nicht als das klassische Stadtwerk sondern als Landwerk.

Um der wachsenden Nachfrage nach sauberem Strom gerecht zu werden, ist auf Initiative der WEMAG und der Volks- und Raiffeisenbanken die Norddeutsche Energiegemeinschaft eG im Februar 2011 entstanden. „Diese Energiegemeinschaft fördert den Ausbau erneuerbarer Energien durch den Bau und Betrieb eigener Ökokraftwerke im norddeutschen Raum. Mitglieder können über ihre Beteiligung an der Genossenschaft von der zunehmenden Bedeutung erneuerbarer Energien profitieren.

Als ein Beispiel für die gelungene Kooperation zweier grundverschiedener Einrichtungen, stellte sie das am 6. Januar 2014 gegründete Kirchliche EnergieWerk der Nordkirche und der WEMAG vor. Gesellschafter sind der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Mecklenburg zu 51 % und die WEMAG zu 49 %. „Ziel des Kirchlichen EnergieWerks ist es, die Klimaschutzziele der Nordkirche zu verfolgen und in den Bereichen Energieeffizienz, Energieerzeugung und Mobilität die angestrebte CO2-Neutralität der Kirche erreichen zu helfen“, erläuterte die Geschäftsführerin.

Zum Abschluss stellte sich der neue Bezirksleiter des Bezirks Berlin-Mark Brandenburg, Rolf Erler, der Runde vor und freute sich auf eine weiterhin so engagierte und fachkundige Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen im Norden.

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