Abschied aus dem Bezirk

Petra Lietzau geht in den (Un-)Ruhestand

Petra Lietzau, Gewerkschaftssekretärin in Berlin-Mark Brandenburg, verabschiedet sich zum 30. April 2020 in den aktiven Ruhestand. „Der 1. Mai ist mein erster Rententag, wie es sich für eine Gewerkschafterin gehört“, sagt sie mit breitem Schmunzeln und einem Augenzwinkern. Im Interview mit der Zeitung „Im Bezirk unterwegs“ blickt sie zurück auf ihr ereignisreiches Arbeitsleben und gibt Einblick in ihre Pläne für die Zukunft.

privat

Petra Lietzau Petra Lietzau

Liebe Petra, wie bist Du eigentlich zur Gewerkschaft gekommen?

 Das ging gleich zu Beginn los. Ich habe in den 70er Jahren eine Ausbildung zur Maschinistin für Wärmekraftwerke im damaligen Kraftwerk Finkenheerd gemacht und dort auch als Meister für Lagerwirtschaft gearbeitet. Ich war mit Blaumann und gelbem Helm in Vollkonti-Schicht im Kraftwerk unterwegs. Die anderen mehr als 400 beschäftigten Frauen haben mich zu ihrer Frauenkommissionsvorsitzenden gewählt, und mit diesem Ehrenamt war ich Teil der Betriebsgewerkschaftsleitung. Als nach der Wende die ersten Betriebsratswahlen stattfanden, ist die IG Bergbau und Energie auf mich aufmerksam geworden. Sie suchten eine Gewerkschaftssekretärin für Arbeits- und Sozialrecht … und ich bin dann mit zwei halbwüchsigen Jungs nach Bochum umgezogen.

War das nicht ein Riesenschritt, gleich nach der Wende …?

Oh ja, das stimmt. Das merkt man ja selbst oft erst im Nachhinein. Letztlich war ich dann achtzehn Jahre im Ruhrgebiet im Einsatz, in den Bezirken Gelsenkirchen und Recklinghausen, immer mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Sozialrecht. Ein Jahr lang konnte ich die Sozialakademie in Dortmund besuchen. Das hat mir sehr viel gegeben, ebenso wie die vielen internen Seminare. Die Jahre im Arbeits- und Sozialrecht haben mir viel Freude gemacht, auch wenn die Schicksale, mit denen ich zu tun hatte, oft nicht einfach waren. Es ging schließlich um Berufskrankheiten, um Erwerbsminderungsrenten, eine Pflegestufe oder ein Krankenbett. Aber näher an die Menschen, an die Mitglieder kommst Du nicht ran – und letztlich habe ich vielen ganz unmittelbar helfen oder ihre Situation erleichtern können. Allerdings waren die weiblichen Gewerkschaftssekretäre in der IG Bergbau und Energie schon eine Besonderheit. Im Kontakt mit den Bergleuten hat es manchmal etwas gedauert, bis sie verstanden haben, dass ich wirklich die Kompetenz habe.

Du bezeichnest als einen roten Faden durch Dein Gewerkschafterinnen-Leben die Arbeit mit und für Frauen. Hat sich das in dieser Zeit herausgebildet?

Das war eigentlich immer da, angefangen von meiner ehrenamtlichen Frauenkommissionsvorsitzenden-Tätigkeit im Kraft Finkenheerd. Mir ist seit jeher ein Anliegen gewesen, dass Frauen mit starkem Selbstbewusstsein auftreten. Man denkt das ja gar nicht, aber bei einer Stellenausschreibung erlebt man, dass die Frauen immer erst überlegen: Kann ich das? Bekomme ich das unter einen Hut? Muss ich mich weiter qualifizieren? Alle diese Fragen, und ein Mann sagt einfach: Ja. Durch die gewerkschaftliche Frauenarbeit wollte ich mithelfen, dass Frauen sich etwas zutrauen. Außerdem sind Frauen einfach eine tolle Truppe und die Frauengremien sind wirklich eine Stärke für die IG BCE.

Du warst lange im Ruhrgebiet. Wie bist Du in den Bezirk Berlin-Mark Brandenburg gekommen?

Ich komme aus dem Örtchen Breydin, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Berlin. Als sich abzeichnete, dass meine Eltern pflegebedürftig werden, wollte ich wieder zurück in Richtung Heimat. Ich habe dann zunächst einige Jahre im Bezirk Dresden-Chemnitz gearbeitet und bin täglich gependelt. Das war anstrengend, zugleich hat mir die Arbeit in Dresden-Chemnitz aber neue Bereiche eröffnet. Ich war in der Betriebsbetreuung eingesetzt, konnte Haustarifverhandlungen führen, hatte also ganz andere Schwerpunkte als die Rechtsberatung, die vorher im Zentrum stand. 2012 kam dann der Wechsel nach Berlin-Mark Brandenburg – und damit schließt sich der Kreis. Denn in dieser Region bin ich vor Jahrzehnten in die Welt hinaus gestartet.

Sagst Du uns etwas über Deine Pläne für die Zukunft?

Ich bin in der Gemeindevertretung Breydin aktiv, leite dort den Kultur- und Sozialausschuss. Außerdem bin ich Mitglied in der Ortsgruppe Bernau, da gibt es ein ganz junges Team. Grundsätzlich aber hoffe ich, dass ich ein bisschen mehr Zeit für mich selber habe. Zum Beispiel möchte ich gerne eine Fotoreise machen und selber fotografieren. Ich habe eine Zitter, die schon lange nicht mehr gezupft worden ist. Außerdem möchte ich Englisch lernen, denn ich habe jetzt eine irische Schwiegertochter … und da muss ich mich doch künftig mit meiner neuen irischen Familie unterhalten können.

Der Bezirk Berlin-Mark Brandenburg dankt Petra Lietzau für ihre engagierte Gewerkschaftsarbeit und wünscht ihr für die Zukunft alles Gute!

Das Interview führte Susanne Schneider-Kettelför

Eine Kurzfassung des Gesprächs ist erschienen in der Zeitung „Im Bezirk unterwegs“, Ausgabe März 2020.

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